Iceland – Pure Elements

Frostiges Telegramm – Mit freundlichen Grüßen von Island

Die letzte Etappe unserer Reise bricht an. Von Delhi geht es kurioserweise über Helsinki, weiter nach Berlin, wo wir uns ´ne Currywurst reinschieben (Entschuldigung, aber die Dortmunder Wurst vom Wurst Willi ist und bleibt unschlagbar), um unser Ziel, den Flughafen Kevlavik zu erreichen. Knappe 30 Stunden und drei eher dürftige Mahlzeiten in 10000 Metern Flughöhe trennen uns noch. Nachts um 1:00Uhr landen wir dank Zeitverschiebung schon wirklich müde, so dass die zweistündige Wartezeit auf dem vollkommen überfüllten Flughafen uns nicht mehr aus der Ruhe bringen kann. Wie viel Uhr war es noch gleich in Indien? Keine Ahnung – aber Zeit, um müde zu sein, definitiv! Entschlossen steigen wir in den Reisebus, der uns nach Reykjavík bringen wird und dösen für die nächsten 45 Minuten, als wir in einem kleinen Vorort bei strömenden Regen an einer verlassenen Bushaltestelle rausgeworfen werden. Motiviert spannen wir die Schirmchen auf und marschieren die letzten 1,2 Kilometer bis zu unserem Guest House zu Fuß durch die einsame Nacht. Dennis trägt selbstverständlich noch Flip Flops – auch er findet dies bei nächtlichen 12 Grad, wenn auch nur geringfügig, grenzwertig. Wir fallen nach wirklich vielen Monaten in weiche, saubere, frisch duftende Daunenkissen und schlafen den Schlaf der Gerechten.

Die restliche Zeit werden wir in einem Campervan „wohnen“. Wir freuen uns tierisch. Das Wetter hat ganz im Gegensatz dazu miese Laune und überrascht uns mit einem weiteren verregneten Tag. Wir finden Island dennoch schön und aus einem trüben Tag kann man stets einiges herausholen, doch lest und schaut selbst, wie wir zwischen Lava, Gestein, Eis, Sturm, Kälte und herrlichem Sonnenschein in die isländische Naturgewalt eingetaucht sind.

Tag 1

Heldenfrühstück in der winzigen Hexenküche – Radio und Waschmaschine laufen – Campervan ausstatten – Stöbern im Supermarkt zwischen Pylser und Haifisch – Abfahrt bei Regen – Stokkseyri – Hot Dog Pause – isländische Galerien bestaunen – Schlafplatz unterm Leuchtturm – Stulle mit Wurst auf die Hand

Tag 2

5:15 hellwach sein – 7 Grad Außentemperatur – erstmal heißen Kaffee und eine Schüssel Müsli – Zähneputzen mit neugierigen Schafen – Erkunden und Roadtrip Richtung Osten – Skógafoss (Wasserfall) bewundern – Fototour – endlich ein wenig Sonne und Wärme – starre Lavafelder mit weichem, grünem Moos – verrückte isländische Städtenamen lernen und gleich wieder vergessen – Schafe zählen – Teestubenpause in der Sonne – zufrieden sein

Tag 3

Wagemutig bis 5:17 ausschlafen – Heldenfrühstück mit Ausblick aufs Meer – 8 Kilometer Walk zum Flugzeugwrack – Fototour mitten im Nirgendwo – Roadtrip – Wasserfällen nachjagen – urige Torfhäuser knipsen – im schwarzen Sand spazieren gehen – Sand mopsen – Rot-weiße-Leuchthäuser bestaunen – Touristenmassen mit offenem Mund anstarren – sich über Crocodile Dundee-Outfits wundern – an sich selbst doch recht zufrieden runterschauen – mehr bietet der Kleiderschrank halt nicht – auf Orgelpfeifensteinen hocken und Puffins beobachten – Tanken in Vík – Pylser nicht vergessen – Schafe umschubsen – Nuuudeln mit Pesto vom besten Mann der Welt serviert bekommen – noch einen kurzen Gletscherwalk einlegen und sich wie ein Kind über den ersten wunderschönen Sonnenuntergang freuen – Schlafplatz suchen zwischen Gräsern, Vulkangestein

Tag 4

Die kalte Nase an die Lüftung halten und den heißen Tee genießen – Bizarren Eisformationen beim Tanz auf dem klirrend kalten Gletscherlake zuschauen – mal am Eis schlecken – Lesen in der Sonne (jaaaa!) – in Höfn zu Mittag ein feines Lobstersüppchen speisen – für den Herrn der Schöpfung gibt es den landestypischen Fischeintopf – noch ein wenig länger als nötig in dem stilvoll eingerichteten Café sitzen bleiben – Leute beobachten – Weiterreisen und sich auf die Fjorde des Ostens freuen – Einkauf gehört heute zum Tagesgeschäft – mal Tanken – sich doch noch für einen Pylser entscheiden – ganz nach dem Motto: ein bisschen Wurst geht immer! – zu Füßen eines Gletschers schlafen und morgens um drei die Sonne aufgehen sehen

Tag 5

Auf Anraten des Campervan Vermieters heute in Djúpivogur – Schwimmbad testen – Eintritt günstig – Hot Pots isländisch heiß – optimal zum Aufwärmen – beschaulicher Hafen – weniger beschauliches Wetter – Badeklamotten inne Lüftung trocknen – läuft – „Städte“ Stippvisite Reydarfjödur – Egilsstadir – vergeblich nach Walen Ausschau halten – feststellen, dass Städte winzige Häuseransammlungen sind – würde bei uns nicht mal den Titel Dorf verliehen bekommen

Tag 6

Frühstück für todesmutige Frost-Camper – 5-Grad Marke ist geknackt – auf nach Myvatn – Landschaft genießen – Fototouren – brodelnde Lavafelder anstarren – Eierstinke – den schönsten aller wunderschönen Sonnenuntergänge von der Lagune in Myvatn aus bewundern – Schrumpelfinger, bis der Arzt kommt – Schlafplatz suchen und von einem freundlich, aber sehr bestimmten Ranger verscheucht werden – in und um Myvatn schläft man nicht – Gänsefamilie nicht überfahren – am Nobelschröder-Hotel klingeln und durch die Sprechanlage zum kostenfreien Schlafen auf dem Parkplatz eingeladen werden – Gastfreundschaft zählt noch auf Island – kurze Nacht – dennoch dankbar und glücklich

Tag 7

Frühstück fällt vorerst aus – Akureyri will erreicht werden – entspanntes „Berliner“ Frühstück auf dem weichen Samtsofa mit Blick auf kleine Fußgängerzone – hier kann man bleiben – noch ein Kaffee? Klar! – Stadtbummel – Húsavik, und sich gegen Whale Watching entscheiden – preislich eine eher befremdliche Liga – selbst ein heiß servierter Kakao auf dem Boot würde das nicht rausreißen – oder schonmal 20€ für ne Schokolade hingeblättert? – Roadtrip entlang der nördlichen Fjorde – Picknick im Grünen – Bären.. ne, leider nur Beerenfang – nach verwirrend vielen Sorten an blauen Früchtchen, Interview mit einer Einheimischen – Ihr können alles essen, was hier wächst – Naschtest – Stimmt! Blaubeeren und witzige Krähenbeeren satt, dazu einen Skyr – yummy – schlafen in den Bergen kurz vor Siglurfjödur – geniale Aussicht – gute N8!

Tag 8

Siglufjördur – Islands süßestes Fischerdorf – oder ist es die warme Sonne auf der Haut, die die Sinne vernebelt und die Welt in noch viel schöneren Farben erscheinen lässt? – Egal! – Wunderschön – Riesigen Fischteller auf urigen Holzbänken in der Sonne schnabulieren, geht hier besonders gut – isländisches Bier auch gut – Verdauungsspaziergang um die bunte Häuschen – Whale Watching für Arme – kann man auch bringen – ganz einfach: Auto auf Hügel parken – Fjord detektivisch gut beobachten – Schatten ausfindig machen – ggf. Wasserfontänen erspähen – Wale finden – Stativ mit fettester Linse draufhalten – Killerwale beobachten – immer mal wieder beim Staunen schlucken, sonst werden die Oberschenkel so nass vom Sabbern – viel länger gucken können, als eine Bootstour es anbieten würde – sich kurz bemitleiden, dass man nicht näher dran ist – wieder freuen, dass man diese riesigen Tiere in freier Wildbahn sehen darf – einspurige Tunnel mit winzigen Haltebuchten etwas geschockt passieren – Picknick und Schlafen in der Einsamkeit

Tag 9

Putztag! – Schwimmen in der heißen Therme in Hofsós – noch einmal schnell um die Westfjorde heizen und Gletscher anschauen – auf einen kleinen Vulkan steigen – ganz unvernünftig viel Pylser in sich reinschieben, als sei es das letztes Mal – schlafen im Campervan an einsamen Fjord – Lübecker Marzipan naschen und den Sonnenuntergang beobachten

Tag 10

Reykjavík Stadtbummel – Skyrtorte zum Frühstück, was will man mehr – Zwei von Islands traditionellsten Gerichten auschecken: Wal probieren und Lammkeule in gemütlich warmer Stube in der kleinen Innenstadt – keinen überteuerten Island-Wollpulli gekauft haben – Wagen mit 2240km abgeben – Hamburg, wir kommen!

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