Cambodia – Land of Mystic Temples


Phnom Penhs staubige Straßen heißen uns in der kambodschanischen Hauptstadt willkommen. Die Busfahrt hierher grenzt an eine Tortur. Die Straßen sind erstaunlich gut ausgebaut, doch als wolle man den Reisenden ärgern, werden wir nach dem Grenzübergang in jeder Stadt in ein neues Fahrzeug verfrachtet. Sind wir noch in einer Art komfortablem Reisebus gestartet, quetscht man uns nun in die Kategorie Minibus und fordert uns letztlich auf, drei schmale Plätze mit fünf Passagieren zu teilen. Wie viele Elefanten gehen noch gleich in einen VW-Käfer? Es ist auf jeden Fall einiges möglich und so werden kurzerhand die Rucksäcke und Koffer anderer Reisender hinterhergestopft. Der Vorteil an der Sardinenbüchsenfahrt – nix ruckelt oder zuckt noch. So geht es 200 km von der Grenze Richtung Hauptstadt. Klingt erträglich, man muss jedoch dazu sagen, dass so eine kurze Strecke hierzulande nicht unter sechs Stunden bewältigt wird. Die Landschaft ist dafür wunderschön. Kein Müll am Straßenrand. Wasserbüffel und Bauern stehen bis zu den Knien in satten grünen Reisfeldern. Tempel aus rotem Backstein mit goldenen Zwiebeltürmchen ersetzen den Schilderwald am Straßenrand. Dank der beginnenden Regenzeit blühen die Büsche in sattem Pink und Rot und das Auge will sich kaum sattsehen. Die Reise in die Hauptstadt nutzen wir einmal mehr, um ein Visa zu besorgen, besuchen nebenbei noch den Königspalast und staunen nicht schlecht über die einzigartige Architektur der Tempel und das viele prunkvolle Gold und Silber.

Nach Battambang verschlägt uns eine eher ungewöhnliche Gelegenheit. Da ich überall auf der Welt aus verschiedensten Hostels Reiseführer eingetauscht habe, weiß ich, dass der Bambootrain eine nette Touristenattraktion ist, die die französischen Kolonialherren freundlicherweise hinterlassen haben. Einst transportierte man auf den eher zusammengewürfelten Schienenabschnitten Waren aus den umliegenden Bergen in die kleine Stadt. Man kann genaugenommen nicht wirklich von einem Zug sprechen. Als wir an dem winzigen Bahnhof ankommen, lädt man uns ein, auf einer der kleinen zusammengenagelten Bambusplatten auf einer bunten Strohmatte Platz zu nehmen. Wir sitzen auf zwei Achsen und die Schienen der Schmalspurbahn tun sich im dichten Gras vor unseren Füßen auf. Ein ohrenbetäubender Eintakter betreibt das wackelige Gefährt und unser Fahrer nimmt schweigend hinter uns Platz und die Fahrt geht los, nicht ohne zu warnen, die Schuhe bitte gut festzuhalten. In lauten rhythmischen Abständen juckeln wir von einem Schienenstück auf das nächste. Das Klack-Klack knallt mit zunehmender Geschwindigkeit regelrecht in den Ohren und der Fahrer drückt ordentlich auf die Tube. Da können sich 40kmh schon mal anfühlen wie eine rasender Elefantenritt auf der Autobahn. Den Wind in den Haaren und die Fliegen auf den Zähnen heizen wir Freiluft über Steinbrücken vorbei an Büschen, Gräsern und Hütten, winken Kindern, die an den Schienen spielen zu und genießen die Fahrt.

Abends schauen wir uns noch ein ganz besonderes Naturspektakel an. Von einem nahegelegenen Tempel, den wir trotz vieler ,Hello Taxi‘ Rufe selbst erklommen haben, beobachten wir einen Höhleneingang. Pünktlich um sechs, wie jeden Abend zu dieser Zeit, machen sich Millionen von Fledermäusen auf, um auf nächtliche Nahrungssuche zu gehen. Am Abendhimmel hinterlassen die winzigen Kreaturen ein blasses schwarzes Band und die Luft ist erfüllt von leisem Fiepen.

Auf dem Markt kaufen wir zum Abschluss eines gelungenen Abends noch einen eiskalten Matcha-Vanille-Tee im ökologisch wertvollen Plastikbeutel und schlendern zum Hotel zurück.

Siem Reap ist die asiatische Antwort auf Ballermann 6 und wir kommen uns zunächst ein wenig fremd vor unter den vielen partywilligen Zugereisten. Mittlerweile sind wir alte Hasen und treffen nur noch selten auf Reisende, die schon länger unterwegs sind, als wir selbst und so drehen sich Gespräche oftmals im Kreis, nicht so mit Larissa und Manuel, mit denen wir einen wirklich lustigen Abend verbringen. Zunächst stecken unsere Füße noch fremd in einem gemeinsamen Fischknabberbecken und als wir vier feststellen, dass wir uns nicht länger auf Englisch unterhalten müssen, wird schon das zweite Bier bestellt. Nun sind auch wir aufm Ballermann angekommen.

Für uns geht es dann in aller Frühe nach Angkor Wat – das Tempelmekka Südostasiens. Die Katerstimmung hat auf der Rückbank des Tuk-Tuk keinen Platz an unserer Seite, die Zeit bis zum Sonnenaufgang tickt erschreckend schnell gegen uns. Wir schaffen es, an den beliebtesten Fotospot Angkor Wats und befürchten schon, dass die Front-Row erbarmungslosen Schulterschluss walten lässt. Unglaublich, dass hier nur ein paar einsame Fotoseelen beherzt ihre treuen Dreibeiner inklusive monströser Kameras drapiert haben. Wir erschleichen einen tollen Spot und staunen über das wunderschöne Sonnenspektakel über der fünfköpfigen Tempelruine, die wir gleich erklimmen werden. Es ist tatsächlich möglich auf den Ruinen herum zu klettern, was das UNESCO Welterbe in den nächsten Jahrhunderten vermutlich nicht ansehnlicher wirken lässt. Die Eintrittsgelder gehen offensichtlich auch nicht so ganz direkt in die Restaurierung und Wiederherstellung der alten Gemäuer, was dem Anblick aber auch keinen Abbruch tut.

Wir kommen aus dem Staunen nicht mehr heraus. Größe, Anzahl und Vielfalt der Tempel erschlägt den schauwütigen Besucher förmlich. Standen wir gerade noch mit offenen Mündern vor dem riesigen, schwarzen Angkor Wat, setzt uns unser Tuk-Tuk Fahrer (Number One sein selbstgewählter Name – er sieht aus wie zwölf) vor dem nächsten Tempelwunder ab. Bei schlappen 40 Grad läuft uns die Suppe den Rücken runter und wir nehmen tapfer Bayon in Angriff, einen der bezauberndsten Tempel der gesamten riesigen Anlage. Über eine die Tempellänge umfassende, einladende Steintreppe geht es hinauf zu den riesigen Steinsäulen, die sich dem stechend blauen Himmel entgegenrecken. Riesige Gesichter sind auf allen vier Seiten der Säulentürme in das Gemäuer geschlagen und merken sich täglich 1000de Gesichter, die unter ihren riesigen Augen arglos vorbeiströmen. Eine sonderbare Stimmung geht von diesen geheimnisvollen Steinformationen aus und als wir den Tempel gerade verlassen haben, entscheiden wir, was relativ untypisch für uns ist, noch einmal zurückzukehren. Wir schlendern weiter entlang an der berühmten Wall of Elephants und grinsen über die Rüssel, die freistehend wie Schläuche den Gesichtern der Tiere entspringen und im Boden verschwinden. Es hat etwas Amüsantes. Eine Toilette sucht man auf dem gigantischen Gelände fast vergebens…

Wir entscheiden nur noch eine Station auf unserer Rundfahrt einzubauen. Es ist mittlerweile schon 16:00 Uhr und bedenkt man, dass wir seit 4:00 Uhr auf der Matte standen, haben wir gut durchgehalten. Doch ohne Ta Prohm gesehen zu haben, wollen wir nicht hier gewesen sein, zumal Szenen aus Tomb Raider hier gedreht wurden. Muhaha, nein das amüsiert uns eher nebensächlich, viel reizvoller, dass eine meiner Lieblingsfotografinnen wunderschöne Bilder von dem märchenhaften, wurzelbewachsenen Tempel veröffentlicht hat, die ich mit eigenen Augen sehen will. Ein Labyrinth aus Tunneln und Gängen erstreckt sich vor uns. Alte Bäume liegen schwer auf abgebrochenen Vorsprüngen und spannen ihr Wurzelwerk über die Ruinen. Wir klettern im Schatten durch Öffnungen, stöbern in geheimnisvollen Innenhöfen und finden auch die berühmte Wurzelwand, die auf allen Postkarten Angkor Wats zu finden ist. Quasi ein Muss.

Wir schnabulieren abends ein paar Köstlichkeiten auf dem Nightmarket und träumen schon von den nächsten Abenteuern im unberührten Laos. Ein Stoßgebet gen Himmel, dass die Grenzüberquerung glatt laufen möge.

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