New Caledonia – Blau, blauer, Baguette

Was ARTE und Phoenix können, können wir auch! Als wir unser all Around the world Ticket zusammenklickten, stand  ohne Frage fest, wir fliegen nach Neu Kaledonien. Natürlich liebäugelten wir bereits mit einem domestic flight auf entlegene, vom Tourismus unberührte Inseln. Auf der Karte kaum auszumachen – aber Ouvéa sollte es sein, ganz nebenbei, der weit entfernteste Punkt unserer Reise.

Vor dem Sonnenschein muss man bekanntlich immer erst der Regen abwarten. In Nouméa angekommen, empfängt uns dann auch die volle Gewalt einer nicht enden wollenden tropischen Regenfront. Schlechte Laune schieben, käme dem Ablehnen eines frisch gebrühten Kaffees am Morgen gleich und da auf nass nunmal selten nasser folgt, erkunden wir die Umgebung mit Schirm und Flipflops. Die aus bunten Prospektheftchen verheißungsvolle Baie de Citron entpuppt sich als absoluter Sand-vor-Betonmauer-Reinfall. In der Stadt lungert Gesindel und ein Drink an der offensichtlich für die Offseason präparierten Beachbar kostet satte 17€. Prima – es hätte nicht schlechter laufen können. Plan B ist immer der Supermarkt – gut kochen = Spaß und glücklicher Magen. Neu Kaledonien liegt noch fest in französischen Ketten, so ergattern wir landestypisches Baguette, Brie und Wein. Geil! In unserem kleinen Apartment sitzen wir sicher vor gemeinen Zika-Mücken im Trockenen und feiern, dass wir nach knappen vier Monaten ein weiches Bett haben werden. Für Leib und Wohl gesorgt, schlägt der Verstand schon wieder Purzelbäume und sprüht vor Ideen. Flott checken wir die umliegenden Inseln/Touristenattraktion/best-things-to-do-Listen und zweistimmig erklären wir das winzige Inselchen Ouvéa zu unserem Ziel der Träume. Wir buchen vorsichtshalber mal nur einen Hinflug, was sich im Nachhinein als ziemlich wagemutig, aber doch recht lohnenswert herausstellt. Ich finde an dieser Stelle streuen wir einfach mal ein paar Bilder, dann erklärt sich von selbst, warum wir jeden Abend entscheiden um einen weiteren Tag zu verlängern.

Aaaahs und Oooohs können unseren Stimmbändern bekanntlich in sehr unterschiedlichen Frequenzen entgleiten, aber an der Quantität, in der sie in Ouvéa angebracht sind, messe ich von nun an die Qualität paradiesischer Orte auf unseremGlobus. Ouvéa ist eigentlich ein Konglomerat aus durchsichtigem, Türkisen und Smaragtfarbenen Wasser, weißem Pudersand (er ist weißer als weiß und man meint in Mehl zu stapfen) und Palmen. Ok, es gibt eine Tankstelle, einen Kiosk, eine Gendarmerie und eine winzige Bank. Tiere sind dem hier ansässigen Mensch in der Zahl weit überlegen. Die Wahrscheinlichkeit auf einen ausgewachsenen Coconutcrab zu treffen, ist weitaus höher, als auf Spaziergänger geschweige denn fahrbare Untersätze zu treffen. Die einzigen drei Mietmopeds, die Nachbar Michel gehören, sind verliehen oder in Reparatur.

Wir wohnen praktischerweise am Arsch der Welt im südlichsten Zipfel der langgezogenen Insel in einer gîte (Stamm). Gemeinsam mit der Gastfamilie nutzen wir eine Dusche und einen überdachten Platz auf dem Gelände, wo Essen zubereitet wird. Muschelmobilees zieren die Holzklappenfenster und klimpern leise im Wind. Über unseren Köpfen wackeln hübsche, geflochtene Papageien aus Palmenblättern lustig hin und her. Unter den Füßen kitzelt das Bambusgras. Die umliegenden Hütten werden an die wenigen Touristen vermietet und so schlafen wir die nächsten fünf Nächte auf feuchten Bambusmatten und einer dünnen Matratze auf dem Boden und starren in der früh einbrechenden Dunkelheit an die hohe Decke der Bambushütte. Mit Räucherstäbchen halten wir die Moskitos eher vergeblich auf Distanz und versuchen den leichten Kohlgeruch, der den modrigen Decken entfleucht zu übertünchen. Decken sind in der Hitze sowieso überbewertet. Vor Spinnen und Krabblern sollte man sich hier lieber nicht fürchten… in ganz warmen Nächten, machen wir uns schöne Gedanken vom Traumstrand, der direkt vor unserer Eingangstür liegt. Auf einer kleinen Terrasse vor der Hütte stehen zwei leuchtend blaue Plastikstühle und wir genießen jeden Morgen und Abend den zauberhaften Blick aufs glitzernde Wasser zwischen den Palmen. Wir sind absolut abgeschieden von der Welt, aber ich bezweifle, dass eine Bleibe weiter im Norden logistische Unterfangen, wie einen Einkauf auch nur ansatzweise erleichtert hätten. Also halten wir fleißig das Däumchen in die Luft und hoffen auf Mitfahrgelegenheiten. Der erste Tag verläuft recht unterdurchschnittlich erfolgreich und irgendwann stiefeln wir lieber doch zum Strand. Ein freundlicher Spaziergänger aus dem Nachbardorf (3 Hütten eine wunderschöne Kirche – er selbst ist bestimmt schon den halben Tag zu Fuß unterwegs) erklärt uns geduldig, dass der Daumen für den Hitchhike hier lediglich “mir-geht’s-gut-ich-laufe-hier-in-der-Hitze-und-schwitzen-war-mein-Plan” signalisiert. Aha…das magische Fuchteln mit der Hand in der Luft, bringt uns dann doch noch an entferntere Ziele der Insel. Der Einkauf von Keksen, etwas Käse und ein paar Bier kostet mal eben 25€, aber wir reisen auf Zementsäcken lungernd, erste Klasse gemütlich auf der Ladefläche eines alten PickUps mit. Die Arbeiter scheinen das selbe Ziel zu haben. Gemeinsam geht man schweigend shoppen und es ist für die Herren keine Frage uns auch wieder zurück zu bringen. Sie warten geduldig am Straßenrand als ich abspringe will, um bei einem klapprigen Straßenstand unter Palmen ein Brot zu kaufen. Zurück auf der Ladefläche nicken wir artig, als man uns auf französisch förmlich zutackert. Kurz darauf halten wir an einer Baugrube fernab der Hauptstraße und Dennis hilft den Jungs einen Zementmischer anzuhängen, Werkzeug zusammenzusammeln, dann fallen die Worte “alors, finalement” und “Mouli” und wir wissen, nun geht es die 25 Kilometer zurück zu unserer Hütte. Das war Einkaufen auf polynesisch. Wir beglückwünschen uns zu unserer Heldentat und allen verliehenen und kaputten Mopeds der Insel.

Das Zufalls-Glücksbarometer hat längst die 10/10 Punkte erreicht. Am letzten Tag erwischen wir per Anhalter eine sympathische Familie, Mama, Papa in unserem Alter, Tochter Titjana 4 – spontan werden alle Tagespläne über den Haufen geworfen, man wolle uns gerne die Insel zeigen. So sehen wir die endlos blauen Lagunen des Nordens, die dichten Cocotièrs-Wälder und schließlich die Postkartenberühmtheit St. Joseph. Die Kirche mit ihrem hübschen leuchtend roten Dach und den Pinien, die sie wie stramme, dunkelgrüne Zinnsoldaten bewachen, setzen sich extrem von den blassen, zarten Naturtönen der Umgebung ab und man kann gar nicht anders als die Farben in sich aufsaugen.

Zum Abschied der Tour gibt es in einer der winzigen Snackbars eine deftige Lunchplatte und man lässt uns an der Brücke raus. Man sagt hier nicht auf Wiedersehen – ein Küsschen links, eins rechts und ein vielversprechendes bis bald besiegelt unsere Rückkehr.

Nachsatz: Alle Telefonnummern in Neu Kaledonien haben gerade mal sechs Stellen. Nerd-Info – aber wahr!

Thank you Agnès and Jean-Paul for having us at your lovely place in Nouméa, for your hospitality and generosity, for listening to our limited french vocabulary, lots of shared bottles of wine or Cava and showing us around on Grand Terre. It is good to know one can fiend friendship all over the world. Merci!

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