Cuenca – Stadt der urigen Cafés

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Relajando en Guayaquil
Just relaxing above the city noise

Der kurze  Aufenthalt in Guayaquil ist hier schriftlich zu vernachlässigen. Interessant aber: eine Busfahrt kostet 25ct (einheimische Währung, versteht sich!) und ist schon etwas wagemutig. Public buses sind laut Empfehlung zu vermeiden. Wir wollten es aber dennoch testen. Der Schnellbus sei noch sicherer, als die Billigbusse erklärt uns ein netter Jugenlicher am Bahnhof und schenkt uns seine tarjeta (mit der kommt man ausschließlich Ruchs Drehkreuz). Wir stehen verdutzt und er wünscht uns einen schönen Tag und hofft, dass wir wissen, wo wir hinwollen würden. So kann es gut laufen. Erschreckend an Guayaquils zweitem Gesicht sind jedoch die scharf bewachten, abgezäunten Bereiche, in denen sich die Bürger ausschließlich bewegen. Bei Nacht ist es totenstill. Niemand läuft freiwillig draußen herum. Man wäre Freiwild für Tagediebe und Überfälle jeglicher Art. Der Abklatsch eines Disneyparks an der Promenade hat einen einzigen Ein- und Ausgang. Alles ist abgeriegelt und zweifach gesichert. Wasserverkäufer, Penner, Bettler,… Verdächtige jeder Art werden von durch die Beamten von den Zäunen fern gehalten. Eine gruselige Szenerie. Unser Hostel ist überraschenderweise wirklich toll und wir sitzen im dritten Stock auf dem Balkon und beobachten die städtische Blaskapelle – etwas schief, aber Salsa! Ein wenig trist, so ein gefährlicher Ort.

Cuenca – der letzte Stopp auf unserer Tour durch Ecuador vor der peruanischen Grenze. Das klingt nun als wäre Cuenca ein hub, um das nächste Ziel – Peru – endlich zu erreichen. Nope! Aus unseren geplanten zwei Tagen werden sogar vier. Das Wetter in den Bergen war fantastisch – ein Sonne-Wolken-Mix vom Feinsten. Doch dies war nicht das einzige, das uns neben unzähligen Empfehlungen von Reisenden und Freunden in Cuenca halten konnte. Das kleine Bergstädtchen strahlt eine Ruhe aus, die einfach zum Verweilen einlädt. Um endlich unsere Blogbeiträge zu aktualisieren, betrieben wir drei Tage Café-Hopping. Hier unsere Top 2

#2 und nicht zu verachten: goza! Ein Magnet für westliche Touristen, die kaum ein Wort spanisch rauspressen können (oder wollen?), was uns aber nicht großartig stören sollte. Wir hatten längst einen Lieblingsplatz hinten links auf der Terrasse. Es handelt sich um das erste Café mit Außenbereich, das wir sonnenverliebten Europäer ausmachen konnten. So etwas wird in Südamerika allenfalls belächelt. Ausschließlich Gringos scheinen sich in der stechenden Äquatorsonne pudelwohl zu fühlen. Bewacht werden wir von einem bis unter die Zähne bewaffneten Polizisten, der in seiner schwarzen Uniform mit schusssicherer Weste den ganzen Tag der heißen Sonne ausgesetzt ist. Der Frozen-Oreo-Kaffee schmeckt trotzdem und bekommt sowohl in der A- als auch in der B-Note eine glatte 10/10 Punkten. Gefrorene Sahneblöckchen treiben in einer cremigen Vanilleeisschicht. Kleine Oreokrümel schwimmen glücklich im zuckrigen Kaffeegemisch. Ein großzügiges Sahnekleid mit zart bestäubtem Schokopulver krönt das ganze. Als Häubchen erfreut sich ein kompletter Oreo seiner Pole-Position. Ein Shake, und der Kalorienbedarf eines Tages ist zweifellos gedeckt. Das Essen steht den Drinks in nichts nach. Es schmeckt einfach alles und mit umgerechnet 4€ ist eine Salatburg ruhigen Gewissens zu vernichten.

#1 Frooonkreisch meets Ecuador: Café Sucre. Ganz großes Café-Kino. Durch Zufall hineingestolpert, ein kleines dunkles Café versteckt sich unter den Dächern des Patio an der alten Kathedrale. Augen reiben- können diese Preise (alles 2-4$) wirklich stimmen? Wir testen und genießen. Von französisch anmutenden Baguettes à la Madame Gryère bis hin zum unglaublich leckeren Crêpe im pommes et caramel Style (Apfel!! und Caramel, nicht zu verwechseln mit der hier zu Lande berüchtigten Karamelpommes) arbeiten wir uns tüchtig durch die Karte. Nebenbei schreiben wir selbstverfreilich fleißig an unseren Posts. Dennis bearbeitet und sichtet krampfhaft tausende Bilder. Ein oftmals endloses Unterfangen.

Ach ja, die Kirchen sind hier wunderschön, die Stadt ist übrigens urig und die Promenade am Wasser mit ihren bunt bepflanzten Blumenbeeten und zahlreichen Bänken und Picknikplätzen lädt zum Verweilen ein.

In Cuenca haben wir unsere erste Turistentrophäe ergattert. Einen (hoffentlich) handgeknüpften Teppich im typischen Stil der Andenvölker. Ein eher unscheinbarer Shop an der Calle Larga zieht unsere Aufmerksamkeit auf sich. Ein kleines Mädchen sitzt hinter dem Glastresen und macht fleißig ihre Hausaufgaben. Mama webt seelenruhig, begrüßt uns kurz und freundlich und widmet sich wieder ihrer Arbeit. Wir stöbern tiefer durch die zwei engen, bis zur Decke mit Teppichen und Kleidung vollbehängten Räume und sind ganz erstaunt, keine nervigen Empfehlungen und Bettelgeschichten, die einen zum Kauf nötigen, ertragen zu müssen. Kurze auf spanisch genuschelte Erklärungen erfolgen, wenn wir interessiert mit der Hand über einen Stoff fahren oder auf etwas deuten. Auch als wir entscheiden lieber eine Nacht über einen bevorstehenden Teppichkauf zu schlafen, freut sich die Dame uns morgen evtl. wiedergegrüßen zu dürfen.

Der nächste Tag bringt einen kurzen Besuch im Hutmuseum mit sich. Ein Besuch einer Stätte kultureller Sehenswürdigkeiten läuft bei Dennis und mit ungefähr folgendermaßen ab: Ist der Eintritt frei? Gut lass rein! Hmmmm 2$? Ja, geht noch klar. Bock? Ja, lass machen. Rein – durchlaufen – raus. Wir sind halt manchmal Banausen. Dennoch haben wir im Vorbeiflug  echte, handgeflochtene Panamahüte bestaunen können. Diese Unikate kosten bis zu 800$ und liegen gut behütet hinter Scheiben. Wir wirken scheinbar interessiert und bekommen eine ungewollte Mini-Führung von ca. fünf Minuten vom Chef persönlich und dürfen sogar den 800$ Hut befühlen. Ein echter Unterschied zu denen für 18$ im offenen Verkauf in der Werkstatt!! Suave y fino! La calidad mas buena en todo el mundo. Tatsächlich kauft MAN Panamahüte traditionell in Cuenca. Aus Versehen mal wieder etwas dazu gelernt. Und das, wo wir doch kurz vor Ladenschluss mit zehn Minuten Zeit ins Museum stürzten.

Achja, um es nicht zu verheimlichen: Wir sind nun tatsächlich stolze Besitzer eine ecuadorianischen Teppiches. (Hab gut gehandelt) ?

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